Summer of Pioneers in Homberg (Efze)

Die Idee

Wer in Homberg (Efze) lebt, erlebt Idylle pur. Aber die Idylle trügt, denn die Region ist im Aufbruch. Fair produzierte Smartphones, neue Carsharing-Konzepte, innovative Biobauern – nachhaltiges Unternehmertum ist hier kein Buzzword, sondern gelebte Praxis. Und sie trifft auf eine Stadt, die zukunftshungrig ist und neue Ideen fördert. Diese Mischung aus Natur und Gründergeist machen Homberg zum perfekten Ort für Kreative und Digitalarbeiter:innen mit Lust auf Land. Und sie machen Homberg damit zum perfekten Ort für den Summer of Pioneers.

Was bis vor wenigen Monaten den Status einer steilen These hatte, hat sich im Sommer 2021 bewiesen: Homberg ist eine Keimzelle neuer Stadt-Land-Beziehungen und liefert verlässlich Antworten auf die Frage, wie wir künftig leben, wohnen und arbeiten wollen. Denn die 20 Pioniere aus dem ganzen Land haben den Marktplatz zu einem Reallabor für kleinstädtische Lebensqualität von morgen gemacht. Buzzwords wie Vielfalt, Teilen, Selbstermächtigung und Wertschätzung hat die Gruppe zusammen mit lokalen Akteuren mit Leben gefüllt und sich damit jenseits von Sehnsüchten selbst von einem neuen Leben auf dem Land überzeugt. 2022 könnt ihr zusammen mit ihnen die nächsten Schritte gehen. Seid ihr dazu bereit?

Winter of Pioneers

Die Stadt Homberg (Efze) bietet nach dem Summer of Pioneers erneut vom 1. Januar bis 30 Juni 20 Kreativen und Digitalarbeiter:innen aus allen Teilen des Landes Probewohnen und Coworking auf dem Land. Menschen also, die ihre Arbeit mitnehmen können und die Natur inspirierender finden als Hochhausschluchten.

Ob Programmierer:in oder Tischler:in, in Homberg bekommt ihr vergünstigte möblierten Wohnungen, mit Nebenkosten und Internet-Flat, sowie kostenlosen Zugang zu Gemeinschaftsflächen wie dem Coworking Space, einer gemeinsamen (Wasch)Küche neben der privaten, einem offenen Kiezwohnzimmer und den Flächen der FreiRaumStation, die leerstehende Ladenlokale für eure Zwischennutzung öffnet. Im Gegenzug bringt ihr euch neben eurem Hauptjob mit euren Ideen und Wissen in Projekten für und mit Homberg ein und stärkt die Verbindung von Engagement und Stadtentwicklung. Und ihr entdeckt, dass Tischler und Programmierer eine Vision von Zukunft auf dem Land teilen können, die ihr nur gemeinsam entwickeln könnt.

Hintergrund

Vom 1. Mai bis 31. Oktober 2021 lief der Summer of Pioneers in Homberg mit einem Schwerpunkt auf die Entwicklung des Marktplatzes als Campus für neues Leben und Arbeiten auf dem Land. Einblicke in die Arbeit der Pioniere haben unter anderem das ZDF Mittagsmagazin und die tagesthemen eingesammelt, bei Rabiat und mit 45 Minuten am umfangreichsten wurde im Hessischen Rundfunk berichtet. Via @homberg_pioneers teilt die Gruppe ihre Erlebnisse in Homberg auf Instagram.

Ein erster Summer of Pioneers fand 2019 und 2020 im brandenburgischen Wittenberge statt und sorgte für große Aufmerksamkeit in Medien und Politik. Das Projekt wurde vom Bundesinnenministerium und der Bundesregierung im Rahmen der Wettbewerbe „Menschen und Erfolge“, sowie „Kultur- und Kreativpiloten“ ausgezeichnet und wirkt bis heute nach. Weitere Summer of Pioneers gastierten im baden-württembergischen Tengen und im südwestfälischen Altena.

Warum Homberg?

Homberg ist als „Cittàslow“ eine Stadt, die sich der Nachhaltigkeit und Förderung regionaler Besonderheit verschrieben hat. Cittàslow ist ein Städtenetzwerk, dem weltweit über 200 und in Deutschland 22 Kommunen unter 50.000 Einwohnern angehören. Ziel einer Cittàslow ist, lokal Antworten auf globale Herausforderungen zu finden. Dazu zählt die Suche nach dem Kern kleinstädtischer Lebensqualität im 21. Jahrhundert ebenso wie die Unterstützung der Klima- und Artenschutzbestrebungen der Vereinten Nationen. Zu dem Zukunftsanspruch der Stadt passt, dass von hier aus gerade Europas größtes Breitbandprojekt koordiniert wurde. 2.200 Kilometer Glasfaser wurden verlegt, um schnelles Internet in 570 nordhessische Orte zu bringen.

Die hutzeligen Fachwerkhäuschen am Marktplatz sind deshalb nicht mehr nur baukulturelles Erbe, sondern mit Gigabit-Anbindung allesamt Zukunftsorte, die die Lebensqualität Hombergs tragen. Das Land ist nicht was es war und bleibt nicht was es ist. Homberg hat das erkannt und gibt Menschen mit guten Ideen den Raum sie zu entfalten und fragt: Was ist dein Beitrag für die Kleinstadt von morgen?

Mehr Infos zu Cittàslow:

Die Menschen in Homberg sind sich dem Wert ihrer ursprünglichen Umgebung bewusst. 2021 wurde die Region um das Mittelgebirge “Knüll” als Naturpark anerkannt. Während noch viele Nordhessen längere Pendelstrecken zu ihrem Arbeitsplatz in Kauf nehmen, kommt ihr als Teilnehmer des Summer of Pioneers in nur wenigen Schritten zu eurem Arbeitsplatz.

Eure Häuschen und Wohnungen und Gemeinschaftsflächen wie die Gemeinschaftsküche, das Kiezwohnzimmer und der Coworking Space sind in Sichtweite untergebracht und liegen nicht mehr als 150 Meter voneinander entfernt. Zwischen gemeinschaftlichem Leben und Arbeiten liegt in Homberg weniger Distanz als zwischen Schreibtisch und Kaffeevollautomat uninspirierender Büroetagen. Auch der bewaldete Burgberg mit atemberaubendem Ausblick liegt nur wenige Schritte entfernt.

Der Standort

Homberg liegt mitten in Deutschland aber fernab der digitalen Hotspots Berlin, Hamburg und Köln. In diese Städte braucht die Bahn rund 3,5 Stunden. Fast alles andere liegt näher. Frankfurt erreicht ihr zum Beispiel in zwei Stunden, die Documenta-Stadt Kassel in 35 Minuten (die documenta fifteen liegt im Projektzeitraum).

Auch in anderer Hinsicht steht Homberg stellvertretend für viele ländliche Regionen. Das Auto hat im Leben der meisten Menschen weiterhin einen festen Platz, der öffentliche Nahverkehr ist mit urbanen Angeboten nicht vergleichbar. Das Handynetz außerhalb der Stadtmauern hat Lücken, es gibt nur eine regionale Tageszeitung. Junge Menschen wandern eher ab.

Andererseits sind die Mieten günstig, der Biobauer mit Hofcafé ist um die Ecke, die Kinderbetreuung ausgezeichnet, die Arbeitslosenquote ist mit 3 Prozent unter Landes- und Bundesdurchschnitt. Die Hügel und Täler rund um Homberg geben dem Leben eine abwechslungsreiche Bühne. Speziell junge Eltern mit Kindern wandern nach Homberg zu, der Druck auf Bauplätze steigt.

Das Hofcafé des Biohofs ist mittlerweile in der Hand zweier Pioniere, junge Menschen haben die Stadt mit e-Lastenrädern erobert und bewiesen, dass ein Leben ohne Auto möglich ist und neben den Pionieren attestiert auch die hessische Digitalministerin Kristina Sinemus Homberg Vorbildcharakter und einen zukunftsweisenden Umgang mit Kreativität und Teilhabe im Rahmen der Digitalisierung.

Die HOMEberger

Von Homberg aus setzt sich auch das Gründer:innen-Netzwerk „HOMEberger“ für Nachhaltigkeit und junges Leben in der Region ein. Die HOMEberger sind 24 regionale Unternehmer:innen, die euch herzlich empfangen werden. Nicht nur als offene Community, sondern auch mit ihren Angeboten. Darunter ein Anbieter von CarSharing-Lösungen für den ländlichen Raum, der euch hilft, in Bewegung zu bleiben. Eine junge Biobauern-Gemeinschaft mit einem Vollsortiment-Hofladen. Zwei Brüder, die Deutschlands erstes Smartphone bauen und euch einladen, eure iPhones gegen ihre nachhaltig designten Shiftphones zu tauschen. Yogastunden und vegane Kuchen bekommt ihr in einem nahe gelegenen Wasserschloss. Und eine Burg weiter bietet euch ein hessischer Jugendmeister regionale Küche in seinem Restaurant oder auf einem Lagerfeuer im Burghof. Zum Abschluss eines jeden Sommers lädt das “Musikschutzgebiet” als Bauernhof-Festival mit urbanem Anspruch an die Auswahl der Künstler:innen.

Lernt die HOMEberger kennen auf:

Der Coworking Space

 

Auf zwei Etagen eines historischen Geschäftshauses plus Dachterrasse laden wir zum Coworking in die “Fachwerkerei” am historischen Markt. Der Coworking Space wurde eigens für den Summer of Pioneers eingerichtet und mit Unterstützung der Neuen Denkerei in Kassel weiter entwickelt. Kleinere Satellitenbüros im 50-Meter-Radius ergänzen das Angebot unseres Campus für neues Leben und Arbeiten am Marktplatz.

Neben der Infrastruktur für digitale Coworker bieten wir erstmals auch analog Kreativen einige Räume und öffnen dafür mit der FreiRaumStation ungenutzte Geschäftsflächen und Ladenlokale, um sie als Potenzialräume für eine lebendige Stadtgesellschaft neu zu entdecken.

Pionieren, die sich in Homberg längerfristig verwirklichen wollen, steht ein Förderprogramm der Stadt für Existenzgründungen offen, das lokale Vorhaben mit bis zu 25.000 Euro bei 50 Prozent Fördersatz unterstützt.

Die Wohnungen

Alle Pioniere wohnen in frisch renovierten historischen Fachwerkhäusern direkt am Marktplatz, rund verteilt um die hoch hinaus ragende Stadtkirche St. Marien von 1340. Einige der Gebäude sind preisgekrönt, das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Je nach Wunsch (falls möglich) wohnt ihr entweder alleine oder gemeinsam mit anderen, zum Beispiel auch als Familie. Jedes Zimmer kostet pauschal 150€ pro Monat. In dieser „Flatrate“ ist alles enthalten: Eine möblierte Wohnung, inkl. Nebenkosten und Internet, sowie die Nutzung des Coworking Spaces. Der Marktplatz bietet kleine Geschäfte für den täglichen Bedarf und mehrere Cafés. An jedem Donnerstag ist Wochenmarkt vor eurer Haustür und Pionier-Köchin Lisa bietet 2x pro Woche einen vegetarischen Mittagstisch.

Hin und weg?

Homberg hat keinen eigenen Bahnhof. Der nächste ICE-Anschluss ist 10 Minuten entfernt in Wabern (Hessen). Wie kommt ihr hin und weg? Im sommerlichen Nordhessen nutzt ihr die eBikes und Lastenräder, die euch die Stadt zur Verfügung stellt. Oder eins der CarSharing-Angebote direkt ab Marktplatz (eAuto, Kompaktwagen oder 9-Sitzer). Oder ganz altmodisch mit dem Bus, der im 30-Minuten-Takt zum Bahnhof pendelt. Fahrzeit: 15 Minuten. In Summe kommt ihr von Homberg aus für ländliche Verhältnisse richtig gut an, egal wohin ihr wollt.

Die Bewerbung

Als Teilnehmer:in des Summer of Pioneers profitiert ihr von einem Rundum-Sorglos-Paket. Als Gegenleistung bitten wir euch um eure Kreativität. Zentraler Bestandteil der Bewerbung ist eine Projektidee, die ihr in Homberg für die Menschen vor Ort umsetzen wollt.

Gemeinsam mit den Sommer-Pionieren, die auch den Winter über bleiben, wollen wir ab dem 1. Januar an das anknüpfen, was die erste Gruppe im zurückliegenden Sommer geschaffen hat: Einen lebenswerten und dynamischen Campus für neues Leben und Arbeiten auf dem Land.

Und ihr fangt nicht bei Null an; nicht in jeder Hinsicht sind Pionierleistungen von euch gefordert: Im Sommer sind spannende Projekte entstanden, die an regionale Institutionen und Netzwerke angeschlossen werden konnten und weiter ausgebaut werden sollen. Es gibt mehr Platz, etablierte Community-Formate, mehr Flexibilität und einen breiteren Ansatz auch bei den fachlichen Schwerpunkten, die wir integrieren können.

Unser Ziel: Mit euch ein Ökosystem der ständigen Erneuerung zu schaffen, das sich im Kern um die Frage dreht, was Lebensqualität im ländlichen Homberg konkret bedeutet – und wie unerwartet viel 20 Menschen dazu beitragen können.

Highlights der kommenden Projektphase sind die Fachwerktriennale 2022 in Homberg zum Schwerpunkt Wohnen im baukulturellen Erbe und die documenta fifteen im nahegelegenen Kassel.